Glaubenssätze

Glaubenssätze: Was sie sind, woher sie kommen und wie du sie wieder loslässt

Bei mir kam zuletzt oft eine Frage auf: Wie bringe ich die Energie alter Glaubenssätze eigentlich aus meinem System raus? Sehr gute Frage. Doch bevor ich sie aus meiner Sicht beantworte, ist es erstmal wichtig zu verstehen, was Glaubenssätze überhaupt sind. Und erst dann finden wir heraus, wie und ob sie sich auflösen lassen.

Was ist ein Glaubenssatz?

Glaubenssatz. Das Wort trägt die Definition schon in sich, wenn man es einmal auseinandernimmt.

Glauben ist eine Überzeugung. Etwas, das als wahr angenommen wird, ohne dass es objektiv oder wissenschaftlich belegt sein muss. Ein Glaube fühlt sich wahr an, unabhängig davon, ob er es tatsächlich ist.

Ein Satz hat eine Struktur, einen Anfang und ein Ende. Er ist eine klare, abgeschlossene Aussage.

Zusammen ergibt das eine Überzeugung, die sich wie eine feststehende, abgeschlossene Wahrheit anfühlt, obwohl sie in Wirklichkeit nur eine subjektive, persönliche Annahme ist. Und genau diese Kombination macht Glaubenssätze so wirkungsvoll. Sie treten als Fakt auf.

Beispiele, die mir oft begegnen:

„Ich bin ein Loser und werde es immer sein.

Was bilde ich mir ein, mehr vom Leben zu wollen.“

„Wer will mir schon zuhören. Ist doch langweilig, was ich zu erzählen habe.“

Die psychologische Perspektive: Aaron und Judith Beck

Diese Struktur hat auch Aaron Beck beschrieben, der Begründer der kognitiven Verhaltenstherapie. Er unterschied drei Ebenen des Denkens:

  • Automatische Gedanken. Spontane, situationsbezogene Gedanken. „Das schaffe ich eh nicht.“
  • Zwischenüberzeugungen. Die dahinterliegenden Regeln. „Wenn ich mehr will, werde ich enttäuscht.“
  • Kernüberzeugungen. Die tiefste Ebene. Das, was wir Glaubenssätze nennen. „Ich bin ein Loser.“ „Niemand will mir zuhören.“

Diese Kernüberzeugungen wirken wie ein Filter. Sie bestimmen, was aus der Umwelt überhaupt wahrgenommen wird und wie es interpretiert wird. Ereignisse, die dem Glaubenssatz widersprechen, werden eher übersehen. Ereignisse, die ihn bestätigen, bleiben besonders stark hängen.

Judith Beck, Aaron Becks Tochter, hat das Modell später weiter ausdifferenziert. Sie unterscheidet bei den Kernüberzeugungen drei Hauptrichtungen: Hilflosigkeit (das Gefühl, unfähig oder verletzlich zu sein), Unzulänglichkeit (das Gefühl, nicht liebenswert zu sein) und Wertlosigkeit (das Gefühl, eine Belastung für andere zu sein). Fast jeder Glaubenssatz lässt sich in eine dieser drei Richtungen einordnen.

Woher kommen Glaubenssätze?

Die ersten Lebensjahre spielen dabei die größte Rolle. In dieser Zeit kann ein Kind noch nicht einordnen, was wahr ist und was nicht. Es übernimmt einfach, was da ist, und macht daraus seine eigene Wahrheit.

Dabei spielen die Menschen um uns herum eine große Rolle. Eltern, Großeltern, später auch Lehrer oder der Freundeskreis. Und zwar nicht nur durch das, was sie gesagt haben, sondern auch durch das, was in einem Blick, einem Tonfall oder einer Reaktion mitgeschwungen ist. Manchmal reicht schon ein enttäuschter Blick, um bei einem Kind etwas auszulösen.

Oft ist es auch gar nicht ein einziger Moment, sondern etwas, das sich immer wieder wiederholt hat: Das Gefühl immer wieder nicht gesehen zu werden, immer wieder kritisiert zu werden, immer wieder das Gefühl zu haben, nicht zu genug zu sein etc. Durch diese Wiederholung setzt sich ein Glaubenssatz erst richtig fest.

Manchmal braucht es aber gar keine Wiederholung. Ein einziges Erlebnis kann so intensiv sein, dass es sich sofort und dauerhaft festsetzt.

Und dann gibt es noch die Glaubenssätze, die wir gar nicht selbst erlebt haben, sondern einfach nur mitbekommen haben. Sätze wie „Für Geld musst du hart arbeiten“ oder „Gefühle zeigt man nicht“. Die haben wir nie selbst durchlebt, aber trotzdem übernommen, einfach weil sie in der Familie oder im Umfeld so vorgelebt wurden.

Am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Ein Kind, das eine Situation noch nicht richtig einordnen kann, zieht daraus einen einfachen Schluss. Dieser Schluss hilft ihm, die Situation zu überstehen und sich sicherer zu fühlen. Und weil dieser Schluss so gut funktioniert hat, bleibt er bestehen, auch wenn die ursprüngliche Situation längst vorbei ist. Das Nervensystem hat ihn einfach als bewährte Strategie abgespeichert, und genau deswegen ist er so schwer wieder loszuwerden.

Die energetische Weitergabe von Glaubenssätzen

Neben dem, was wir selbst erlebt haben, gibt es noch eine zweite Ebene, auf der sich Glaubenssätze festsetzen können. Und die hat gar nichts mehr mit der eigenen Biografie zu tun.

Über die Ahnenlinie. Manche Sätze tragen wir mit uns, ohne die dazugehörige Situation je selbst erlebt zu haben. Was unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern nicht verarbeitet haben, sucht sich einen Weg weiter. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesem Thema, unter dem Begriff Epigenetik. Man geht davon aus, dass belastende Erfahrungen von Vorfahren beeinflussen können, wie bestimmte Gene bei den Nachkommen aktiv sind, vor allem in Genen, die mit Stress und Angst zusammenhängen. Es geht dabei nicht um konkrete Erinnerungen, sondern eher um eine erhöhte Empfänglichkeit im System.

Energetisch betrachtet gehen wir noch einen Schritt weiter. Ahnenlinien sind aus dieser Sicht nicht nur biologisch, sondern auch feinstofflich miteinander verbunden. Unverarbeitete Themen der Ahnenlinie können sich im eigenen Energiekörper niederlassen, lange bevor man selbst eine bewusste Erfahrung dazu gemacht hat.

Über vergangene Leben. Und dann gibt es noch Sätze, die sich gar nicht über die Familie erklären lassen. Sätze, die sich anfühlen, als wären sie einfach schon immer da gewesen, mit einer Intensität, die zur aktuellen Situation gar nicht passt. Aus energetischer Sicht deuten wir das als Prägung aus einem vergangenen Leben, als Erinnerung, die im Energiekörper gespeichert ist und sich genau jetzt wieder zeigt, weil in diesem Leben eine Auflösung möglich wird.

Ob über die eigene Kindheit, die Ahnenlinie oder ein vergangenes Leben: Ein Glaubenssatz muss nicht selbst erlebt worden sein, um im System zu wirken. Und genau das erklärt, warum reine Verstandesarbeit an dieser Stelle oft nicht ausreicht.

Können Glaubenssätze aufgelöst werden?

Ja alles ist möglich 😉, die Umsetzung liegt an dir.

Stell dir deinen Glaubenssatz wie einen Luftballon vor, der irgendwo in deiner inneren Welt existiert. Jeder von uns hat solche Luftballons, das ist völlig normal. Entscheidend ist, wo dein Fokus hinwandert. Denn genau dort, wo dein Fokus hinfällt, gibst du Energie hin. Und ein Luftballon, der immer wieder Luft bekommt, wird größer. Und größer. Irgendwann spielt er eine riesige Rolle in deinem Leben, obwohl er ursprünglich nur ein einzelner Gedanke war.

Und das ist ja genau das Ding: Dein Fokus füttert den Ballon. Jedes Mal, wenn dein Gedanke wieder bei diesem Satz landet, gibst du ihm neue Luft.

Nehmen wir an, dein Glaubenssatz lautet „Ich bin ein Loser“. Du befindest dich in einer Situation, in der du aus deiner Sicht versagt hast. Sofort ist der Gedanke da: „Ich bin ein Loser.“ „Ich bin zu nichts zu gebrauchen.“ In genau diesem Moment fütterst du den Ballon.

Deswegen ist die Bewusstwerdung so ein wichtiger erster Schritt. Zu erkennen: Ah, da ist er wieder, mein Luftballon. Und genau in diesem Moment hast du die Wahl. Du kannst die Situation als das nehmen, was sie ist, eine einzelne Erfahrung, sie für dich im Kopf drehen und als Erfahrung abhaken. Statt sie weiter zu füttern.

Je weniger Fokus, Aufmerksamkeit und Energie du dem Ballon gibst, gerade dann, wenn er energetisch gelöst wird, desto mehr darf er in sich zusammenfallen. Deine Gedanken leiten deine Energie. Und wo deine Energie hinfließt, da wächst das, worauf sie gerichtet ist.

Fazit

Ihr seid nicht eure Glaubenssätze. Ihr seid nur die, die ihnen gerade Luft gebt oder eben nicht mehr. Und diese Entscheidung trefft ihr in jedem einzelnen Moment neu.

Hier kannst du dir eine ausführliche Audio mit meinem Gedanken dazu anhören, die ich meiner Community zur Verfügung gestellt habe:

Werf doch auch mal einen Blick in meinen 0€ Ahnen Guide. Dort geht es um Ahnenmuster.

Bis bald,
Dunja ♥️

Häufig gestellte Fragen zu Glaubenssätzen

Was ist ein Glaubenssatz einfach erklärt?

Ein Glaubenssatz ist eine tief verinnerlichte Überzeugung über sich selbst, andere oder die Welt, die sich wie eine feststehende Wahrheit anfühlt, obwohl sie nur eine subjektive Annahme ist.

Woher kommen Glaubenssätze?

Meistens aus der frühen Kindheit, geprägt durch Bindungspersonen, wiederholte Erfahrungen oder einzelne einschneidende Ereignisse. Manche Glaubenssätze werden auch über die Ahnenlinie oder energetisch weitergegeben.

Können Glaubenssätze aufgelöst werden?

Ja. Durch Bewusstwerdung, das Erkennen des Musters, und durch bewusstes Nicht-mehr-Füttern des alten Satzes mit Aufmerksamkeit und Energie.

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